Audiovisuelles Erbe

Teasertext

Audiovisuelles Material wird auf analogen und digitalen Medien abgespeichert. Aber diese Medien sind vom Verfall bedroht. Auch in den Einrichtungen des i.d.a.-Dachverbands lagern zahlreiche Materialien, die für die Nachwelt erhalten werden müssen.

Text

Am 27. Oktober ist der Welttag des audiovisuellen Erbes. Mit diesem Tag, der im Jahr 2005 ausgerufen wurde, wird an die "Empfehlung zum Schutz und zur Erhaltung bewegter Bilder" erinnert, die die UNESCO bereits am 27.10.1980 verabschiedet hatte. Der Welttag soll das audiovisuelle Kulturerbe stärker in das öffentliche Bewusstsein bringen und auf die Notwendigkeit hinweisen, es zu schützen.

Auch in den Einrichtungen des i.d.a.-Dachverbands werden viele Filme und Videos, Interviews und sogar Webseiten gesammelt. Sie wurden archiviert und müssen wegen der begrenzten Haltbarkeit der Speichermedien erhalten werden. Außerdem entstehen in den Einrichtungen jedes Jahr zahlreiche neue audiovisuelle Objekte, die die Frauenbewegung(en) unserer Zeit dokumentieren. Im Folgenden stellen einige Archive ihre beeindruckendsten Objekte in Bild und Ton vor.

2 Frauen im Gespräch
Standfoto aus dem Film "Für Helga" 1979. Der Film ist Bestandteil des Videoarchivs von ausZeiten.

ausZeiten

Für Helga. Dokumentarfilm der Filmemacherin Christa Donner von 1979

Ende der 1970er-Jahre entstand in Bochum ein Film, der das Leben einer der Frauen aus der  Opelfrauengruppe zum Thema hatte: Helga. Der Film zeigt Szenen aus dem Leben der Bochumerin, verheiratet, zwei Söhne, die in einer Wäscherei arbeitet und deren Mann bei Opel arbeitet. Die Opelfrauengruppe besteht damals vier Jahre, und neben Helga kommen noch weitere Frauen aus der Gruppe zu Wort.

Die Filmemacherin Christa Donner drehte den Film Für Helga 1979 und schrieb 1980 über den Film: „Helgas Leben ist durchschnittlich, gleichzeitig ist es besonders. In ihrem Leben spiegeln sich die Bedingungen vieler Frauen wider, arbeiten für wenig Lohn draußen, arbeiten zu Hause, in der Familie. Verantwortung tragen. Gleichmaß, Kaputtsein. Das läuft nicht glatt. Da sind Mißtöne und offene Fragen. Gleichzeitig wird Kraft sichtbar. ... Helga und ihr Leben sind nicht statisch. Bewegung, die zu Veränderung werden kann, wird sichtbar.“

Archiv Frau und Musik Frankfurt

2019 realisierte das Archiv Frau und Musik im Rahmen des DDF-Portals ein Digitalisierungsprojekt unter dem Titel MASCHA: Musik-Akteurinnen schaffen Aufmerksamkeit. Sie führten Interviews mit wichtigen Vertreterinnen der Frauen-Musik-Bewegungen seit den 1970er-Jahren. So entstanden teils mehrstündige Interviews mit Pionierinnen einer modernen, gleichgestellten Musikwissenschaft wie Gloria Coates, Barbara Heller, Annette Schlünz, Dr. Birgit Kiupel, Prof. h. c. Siegrid Ernst, Renate Matthei, Prof. Dr. Vivienne Olive und Prof. Dr. Eva Rieger. Stellvertretend für die vielen können Sie hier einem Videogespräch mit Prof. Dr. Eva Rieger folgen, die mit ihrem Buch „Frau, Musik und Männerherrschaft. Zum Ausschluß der Frau aus der deutschen Musikpädagogik, Musikwissenschaft und Musikausübung“ (1981) einen Grundstein legte.

Video - Kurzfassung
Quelle
Archiv Frau und Musik

Studentische Frauenbibliothek LIESELLE der Ruhr-Universität Bochum

Am 7. März 1994, an einem Montagabend um 18.04 Uhr, startete die erste Sendung von Funk’n Flug mit dem Titel Selbstdarstellung und Bericht zum 8. März auf der Ruhrwelle Bochum. Ein Jingle leitete die Sendung ein. Hierfür wurden Beats aus den Songs Prams von der Band Vital Disorders und Open Sesame von Leila K. mit einer eingesprochenen Sequenz collagiert. In der ersten Sendung stellten die Radiofrauen sich und das Konzept des FrauenLesbenRadios vor.

Das FrauenLesbenRadio Funk’n Flug sendete zwischen 1994 und 1998 im Rahmen des Bürgerfunks im Lokalradio in Bochum regelmäßig jeden ersten Montag im Monat. Mit dem Anspruch eine feministische Gegenöffentlichkeit zu schaffen, haben sich Anfang der 1990er- Jahre Frauen und Lesben aus einer Gruppe gegen Sexismus und Rassismus zusammengefunden, um den Mainstream-Medien etwas entgegenzusetzen und die Medienlandschaft aktiv mitzugestalten. Dabei war die Aktionsform Radio für die Macherinnen entscheidend, um den Zusammenhang von Sexismus und Rassismus zu verdeutlichen und den Widerstand in der Medienöffentlichkeit zu thematisieren.

Die 44 Audiokassetten (inklusive Kassettencover und Beschriftung) umfassende Sammlung des FrauenLesbenRadio Funk'n Flug aus Bochum befindet sich in der Frauenbibliothek LIESELLE an der Ruhr-Universität in Bochum. 

Zum Metakatalog

eine Frau hält ein Dokument hoch
Bildunterschrift
Audiobeitrag | Doris Linser und die "Aktion 144"

AEP-Frauenbibliothek

Wir haben abgetrieben! titelte der Stern im Jahr 1971. Ein Titelblatt, das Wellen schlug – auch in Tirol. Die 24-jährige Doris Linser beschloss aktiv zu werden. Sie zog los und begann in verschiedenen Geschäften in Innsbruck Unterschriften gegen den § 144 zu sammeln. Damit forderte sie die Liberalisierung des Abtreibungsverbotes in Form einer Fristenlösung.

Mehr als 500 Unterschriften schickte sie schlussendlich an das Justizministerium in Wien. Die Aktion 144 war geboren und damit auch der Grundstein gelegt für den AEP – den Arbeitskreis Emanzipation und Partnerschaft. Juliane Nagiller hat den AEP in Innsbruck besucht und mit Doris Linser über die Anfänge gesprochen.

Zum Audiobeitrag

CID | Fraen an Gender

Mit dem Projekt Lunch Knowledge Shots fördert das CID seit 2019 feministische und genderbezogene Studien und macht die Arbeiten einem breiten Publikum zugänglich. Sie bestehen aus einem 30-minütigen Vortrag zu einem genderbezogenen Thema mit anschließender Diskussion. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden in unseren Bibliothekskatalog aufgenommen. Nach jedem Shot wird ein kurzes Interview geführt und gefragt, was das Thema der Arbeit war, warum es gewählt wurde oder was die wichtigste Erkenntnis der Arbeit ist.

Die Videos können auf der Webseite des CID und auf YouTube abgerufen werden. Dieses Video-Format bietet für uns eine gute Möglichkeit, in kurzer Form zu zeigen, wozu im luxemburgischen Kontext geforscht wird. Wer Lust auf mehr bekommt, kann die Arbeit anschließend ausleihen. Zudem leisten wir Netzwerkarbeit, indem wir Forscher*innen untereinander bekannt machen.

Zur Bibliothek 

Bildunterschrift
CID Lunch Knowledge Shots - Research made in Luxembourg

Kölner Frauengeschichtsverein

Interview mit der Zeitzeugin Lie Selter

Köln war eine der Hochburgen der Neuen Frauenbewegung der 1970er-Jahre. Aus den bundesweiten Protesten gegen den Paragrafen 218 entwickelte sich schon bald eine lebendige Frauen(streit)kultur mit Wirkung weit über Kölns Grenzen hinaus. Wer waren diese Frauen, die das alles bewegt haben? In unserer Reihe Zeitzeuginnen im Gespräch kommen sie in Bild und Ton zu Wort - ein lebendiges Zeugnis der feministischen Geschichte, erzählt von denen, die sie gemacht haben. Die nun zwischen 60 und 90 Jahre alten Pionierinnen berichten von ihren Erfahrungen und Aktionen in der Kölner Neuen Frauenbewegung, was sie angetrieben hat und wofür sie sich bis heute als Feministinnen engagieren.

Die Interviews sind auf der Webseite des Kölner Frauengeschichtsvereins öffentlich zugänglich, jeden Monat kommt ein neues hinzu. Zum Beispiel Lie Selter: Von 1982 bis 2000 war sie Chefin des Frauenamtes der Stadt Köln und damit die erste kommunale Frauenbeauftragte in der BRD.

Alle Interviews anschauen

Mit Pauken und Trompeten
Quelle
FFBIZ - das feministische Archiv e.V.

FFBIZ Berlin

Zum Programm von Radio 100, dem ersten privaten Radiosender in Berlin, gehörte von 1987 bis 1991 auch die feministische Redaktion Dissonanzen. Die Redaktion bestand aus ca. 50 Frauen, die für ein vielfältiges Programm und Themenspektrum in den täglichen Sendungen sorgten. Der Sendezeitraum hatte und hat eine große gesellschaftspolitische Bedeutung für die Berliner*innen und die deutsch-deutsche Zeitgeschichte und beleuchtete diese aus dem Blickwinkel der (West-)Berliner Gegenkultur und der Perspektive von Frauen.

Marion Fabian war als Mitbegründerin von Radio 100 maßgeblich für die Sendungen verantwortlich. Sie archivierte zahlreiche Sendungen und übergab die Tonträger (100 Kassetten mit ca. 150 Stunden Sendematerial) 2018 dem FFBIZ. Das feministische Archiv konnte den Audiobestand im Rahmen eines digis-Projektes digitalisieren und veröffentlichte einen Teil der Sendungen im META-Katalog des DDF.

FrauenMediaTurm Köln

Das 63-minütige Radio-Feature Ich lasse mir nichts mehr gefallen berichtet aus der mit Quellen schlecht belegten Frühphase der Neuen Frauenbewegung in der BRD; es wurde am 8. Mai 1972 vom WDR ausgestrahlt. Aufgenommen am 5. Mai, verfasst und vertont von der Journalistin Alice Schwarzer, kommen im Verlauf der Reportage viele Stimmen zu Wort: Teilnehmerinnen des ersten bundesweiten Kongresses der Frauengruppen am 11./12. März 1972, Frauen auf der Straße, Clara Zetkin, Olympe de Gouge, Louise Otto-Peters, der Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, Helke Sander und ein Frauenchor, der zur Melodie von Lotta Continua Frauen gemeinsam sind stark singt – vermutlich die erste Tonaufnahme dieses Hits der Neuen Frauenbewegung.

Neben einem Abriss zur Frauenemanzipation ab dem 18. Jahrhundert enthält das Feature eine Analyse der Konflikte zwischen der beginnenden Frauenbewegung und der im Niedergang begriffenen außerparlamentarischen Linken ab Ende der 1960er-Jahre. Hochinteressant: O-Töne aus Frauengruppen zum Sprung von der Marx-Lektüre zum Straßenprotest im Zuge der Aktion 218.

Auch mediengeschichtlich ist das Feature hörenswert: Die Vertonung ohne musikalische Untermalung konzentriert sich auf das Wort und erscheint uns in seiner Nüchternheit heute sehr fremd.

Veröffentlicht ist das Objekt auf unserer Webseite; gesichert auf Magnetband und als Digitalisat.

Sendemanuskript SM.01.058, Ich lass' mir nichts mehr gefallen! Aktion 218 und Frauenkongress - ist das der Aufbruch der deutschen Frauen?

Zum Sendemanuskript

 

FrauenGenderBibliothek Saar

Die FrauenGenderBibliothek Saar (FGBS) organisiert begleitend zum Bibliotheksangebot regelmäßig Veranstaltungen. Neben Vorträgen und Workshops gibt es auch besondere Formate wie Barcamps oder Poetry Slams.

2016 kooperierte die FGBS mit den etablierten Macher*innen der Saarbrücker Slam-Reihe. Gemeinsam gestalteten sie am 20. Mai den ersten feministischen Poetry Slam im Saarland. Die Veranstaltung wurde von der Landesmedienanstalt Saar gefilmt. Sie kann so in voller Länge auch heute noch angeschaut werden:

Auf unserer Internetseite sind unter dem Stichwort Zum Nachhören und Sehen Audio- und Videomitschnitte von Vorträgen u.Ä. seit 2015 online:

Zur Frauengenderbibliothek 

Belladonna

In unserem Beitrag ist ein Teil des Vorlasses von Romina Schmitter zu sehen. Romina Schmitter (*1939) kämpft seit den frühen 1970er-Jahren für das Recht auf Selbstbestimmung. Als Historikerin war sie früh von der notwendigen Archivierung von Dokumenten überzeugt. Neben Fotos, Buttons, Dokumentationen und Plakaten sind auch viele Protokolle über Aktionen um den Kampf gegen § 218 Teil des Bestandes.

Der Vorlass umfasst (2022) circa drei Regalmeter und wird momentan erschlossen.

Einblick in den Vorlass von Romina Schmitter.

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